Der Erste Weltkrieg als Zäsur?

Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Architektur, Stadt- und Freiraumplanung

Universität Kassel, 16. und 17. Oktober 2014

» Es ist wohl vielen Künstlern so gegangen, dass sie sich aus unbewussten Gründen nach dem Kriege künstlerisch anders ausdrückten wie vorher. (…) Ich merkte mit einer Art innerem Staunen, dass ich eine neue Sprache beherrschte, in der ich nur mit den Mitteln der Gruppierung, der Proportion, der Lichtführung und der Farbe alles auszusprechen vermochte, was mir am Herzen lag.«

Fritz Schumacher, Stufen des Lebens. Erinnerungen eines Baumeisters, 1935

Im Jahr 2014 steht der Erste Weltkrieg im Zentrum einer Vielzahl von Veranstaltungen und Symposien im In- und Ausland. Mit der Konferenz „Der Erste Weltkrieg als Zäsur? Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Architektur, Stadt- und Freiraumplanung“ wollen wir in diesem breiten Spektrum die Frage nach der Bedeutung des Ersten Weltkrieges für die Planungsdisziplinen stellen.

In mehreren Betrachtungsmaßstäben – von der Stadt, über das Gebäude bis zum öffentlichen Raum – werden durch interdisziplinäre Zugänge die Vielzahl neuer Bauanlässe und Planungsszenarien und ihre politischen, wirtschaftlichen und soziokulturellen Bezüge analysiert. Wir fragen nach den prägenden Momenten sowohl der Kriegserfahrungen als auch der Kriegsfolgen in der deutschen Planungsgeschichte.

In welchem Umfang bedingte und formte der Erste Weltkrieg die Arbeit von Städtebauern, Architekten, Gartenarchitekten und Freiraumplanern noch weit über die Kriegsjahre hinaus? In welcher Weise und mit welchen Konsequenzen werden Kontinuitäten und Brüche aus den Vorjahren und Kriegserfahrungen prägend für die Entwicklung der Planungsdisziplinen? Wie ändern oder radikalisieren sich Haltungen in Bezug auf Planung? Welche Positionen, Strategien und Taktiken entwickeln sich aus den Erfahrungen, die in den „Materialschlachten“ des hochtechnisierten Ersten Weltkriegs gemacht wurden? Wie wurden neue militärische Praktiken, wie etwa die Luftbildfotografie, in zivile Planungsdiskurse übertragen? Was war durch die „neue Sprache“ zu vermitteln, die der oben zitierte Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher durch den Krieg erlernt hatte?

Beiträge

PD Dr. Harald Kegler [Kassel]

Der Beginn des ‚suburban sprawl‘ ab Mai 1917

– ein ‚Nebenkriegsschauplatz‘

Eva Mudersbach [Kassel]

Städtebauliche Gewalt und Gestalt in Berlin

Prof. Dr. Kenny Cupers [Champaign, Illinois/USA]

Colonial Territoriality and its Aftermath:

From Windhoek to Weimar

Dr. Atli Magnus Seelow [Göteborg, Schweden]

Das Ende einer Wahlverwandtschaft – der Erste Weltkrieg als Zäsur

in den Beziehungen zwischen Deutschland und den Nordischen Ländern

Dr. Simon Paulus [Stuttgart]

Ethos, Mut und Backstein: Der Architekt Carl Mühlenpfordt

und eine Stadt im Standby-Modus

Rainer Schmitz und Johanna Söhningen [Berlin]

Kontinuitäten und Brüche: Das Olympiastadion in Berlin

Dr. Christian Saehrendt [Zürich]

Der Stellungskrieg der Denkmäler. Kriegerdenkmäler als Medium

Politischer Konflikte im Berlin der Weimarer Republik

Anmeldung

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei

Eine Anmeldung ist jedoch erforderlich bis 10. September 2014 unter:

ckremer@uni-kassel.de

Ort

D – 34127 Kassel – Gießhaus/ Mönchebergstraße 5

Kontakt

Universität Kassel | Prof. Dr. Stefanie Hennecke

Gottschalkstraße 26 | Raum 2110 | 34127 Kassel

hennecke@uni-kassel.de. | +49-561-804-7047

Konzeption und Organisation

Dr. Thorsten Dame und Patrick C. Hege MA und Prof. Dr. Stefanie Hennecke

Die Konferenz wird vom Fachgebiet Freiraumplanung an der Universität Kassel

in Kooperation mit dem Center for Metropolitan Studies der TU Berlin und

dem DFG-geförderten International Graduate Program „Die Welt in der Stadt:

Metropolitanität und Globalisierung vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart“

(IGK 1705) an der TU Berlin ausgerichtet. Für die finanzielle Förderung danken

wir der Pfeiffer-Stiftung für Architektur an der Universität Kassel.